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NEW WORK – Kann man das Einführen?

03.07
Dr. Peter

NEW WORK – Kann man das Einführen?

"Können sie uns darin unterstützen, New Work bis Ende des Jahres einzuführen?" und "New Work und Agil sind doch dasselbe!"

Dies sind zwei typische Aussagen, die mir in Diskussionen mit Firmen begegnen, wenn wir uns über neue Arbeitsweisen unterhalten – und sie treffen nicht zu! Wenn ich dann darauf hinweise, werde ich auch oft gebeten, eine Einführung und Übersicht zu geben darüber, was New Work ist. Viele Firmen (und dort oft HR/Personalabteilung) kennen die Begrifflichkeit, manchen Firmenleitungen ist sie auf Konferenzen begegnet und in interessanten Beiträgen. Aber den meisten fällt es schwer, diesen Begriff zu definieren bzw. es existieren leider falsche Vorstellungen. Und dies ist eine der Herausforderungen von New Work. Die Begrifflichkeit wird in verschiedenen Zusammenhängen benutzt, als Synonym für andere Arbeitsmethoden und auch als Sammelbegriff – und dabei oft falsch definiert.

Woher stammt New Work?

Der Begriff geht zurück auf den Sozialphilosophen Frithjof Bergmann, der sich mit der philosophischen Frage nach der Freiheit des Menschen beschäftigte. Ende der 1970er Jahre entwickelte Bergmann das Konzept der neuen Arbeit.
New Work soll ein Mittel sein, mit dem sich der Mensch als freies Individuum verwirklichen kann. Es geht viel darum, der Arbeit eine sinnstiftende Funktion zu geben "Nicht wir sollten der Arbeit dienen, sondern die Arbeit sollte uns dienen" (1) . Er beschreibt einen Zustand, in dem Menschen Arbeit erleben, die sie "wirklich wollen". In diesem Sinne ist New Work eine Utopie, die aus meiner Sicht bereits begonnen wurde, zu realisieren.

New Work als (z.T. falscher) Sammelbegriff

Heute wird New Work oft als Ober- oder Sammelbegriff verwendet oder als Synonym für unterschiedliche Arbeits- und Organisationsmodelle, z.B. für agile Arbeitsmethoden (z.B. Scrum, Kanban), flexible Arbeitsformen (Jobsharing, Jobrotation), selbstorganisierte Teams, Netzwerk-Ansätze (z.B. Working-out-Loud), neue Rewardkonzepte (New Pay) oder Führungskonzepte (New Leadership) etc. Aber was ist dann New Work? New Work kann man nicht einführen! New Work ist ein Mindset Das Hauptmerkmal von New Work ist ein (verglichen zu traditionellen Arbeitsweisen) verändertes Mindset. Dieses neue Mindset ist Ergebnis bzw. wird bedingt durch eine neue Kultur. New Work ist kein Programm, kein Prozess. Es lässt sich nicht einführen; es gibt weder Tools dazu noch "Blaupausen" (und besonders hat ein Aufstellen von Sofaecken mit grüner Bepflanzung oder Tischkicker keinerlei Bedeutung dafür!). Diese neue Kultur kann man "nur" Vorleben und vor allem den Raum geben, in dem sie sich entwickeln kann. Hierfür bedarf es Zeit (aus meiner Erfahrung bedarf es mehr als ein Jahr, kulturelle Veränderungen zu bewirken).

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit gehören folgende Aspekte zur New Work Kultur:

  • Intrinsische Motivation ansprechen bzw. fördern
  • Sicheren Raum schaffen für offene, ehrliche Kommunikation
  • Umgang mit Mitarbeitern auf Augenhöhe (über Hierarchieebenen hinweg!)
  • Lebenslanges Lernen
  • Wissen teilen über Bereichs- und Funktionsgrenzen, sowie über Hierarchien hinweg
  • Offene Fehlerkultur
  • Führen heißt vor allen Dingen: Coachen

Und da jedes Unternehmen seine eigene Kultur hat sowie ganz spezifische Herausforderungen, kann es nur spezifische Herangehensweisen geben.

Und warum ist New Work relevant für Start-ups, KMUs, Familienunternehmen, Konzernen?

Die Herausforderungen der Digitalisierung, der VUKA Welt, zwingen Unternehmen sich auf die Suche zu machen nach neuen Wegen, um wettbewerbsfähiger zu werden, innovativer, und vor allem attraktiver für zunehmend anspruchsvollere Mitarbeiter (s. Generation Y/Z die sich einbringen will in Arbeit, die "Sinn macht", hinter der der Mitarbeiter voll stehen kann).

Will eine Organisation den Schritt gehen, eine neue Kultur zu ermöglichen, dann ist es oft hilfreich, den oben angesprochenen geschützten "Raum" für einen Teilbereich zu gestalten. Für interessierte Mitarbeiter wurde in einer Firma ein eigener Bereich gegründet, in dem diese zusammen arbeiten, selbst definiert, selbst organisiert, und einen "Ausprobier-Modus" arbeiten konnten, um innovative Lösungen zu finden. Die Mitarbeiter kamen aus verschiedenen Abteilungen und Hierarchien, hatten bisher keine gemeinsamen Themen und wurden dabei nicht hierarchisch aus der bestehenden Organisation gelöst.

New Work ist nicht die eine Antwort auf alle heutigen Herausforderungen. Neue Arbeitsmethoden (z.B. agil) sind nicht für jede Abteilung oder Art der Arbeit geeignet. Aber eine andere Kultur, die den Menschen und den wertschätzenden Umgang miteinander in den Mittelpunt stellt, wird überraschend neue Wege eröffnen.

(1) Frithjof Bergmann, "Neuer Arbeit, Neue Kultur", 2004

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